475073webrkbbyrainersturmpixelio_160.de_Bei einem Forward-Darlehen handelt es sich um ein klassisches Annuitätendarlehen, das mit Sondervereinbarungen abgeschlossen wird. Ein Forward-Darlehen ist ein Darlehen, das dem Darlehensnehmer erst nach einer bestimmten Vorlaufzeit – bis zu sechzig Monate nach Vertragsabschluss – ausgezahlt wird. Die Zeitspanne zwischen dem Vertragsabschluss und dem gewählten Laufzeitbeginn wird als Forward-Periode bezeichnet, in diesem Zeitraum fallen keine Bereitstellungszinsen an. Der Begriff Forward-Darlehen wird nur im Zusammenhang mit grundbuchmäßig gesicherten Darlehen verwendet.

Ein Forward-Darlehen wird vom Darlehensnehmer für eine Immobilienfinanzierung genutzt, wenn er sich bereits zum Zeitpunkt des Abschlusses des Darlehensvertrages einen günstigen Zinssatz für die Zukunft sichern will. Die häufigste Anwendung finden Forward-Darlehen bei Anschlussfinanzierungen (Prolongationen).

Die Zinssicherheit des Forward-Darlehens „erkauft“ sich der Darlehensnehmer mit einem Zinsaufschlag. Entsprechend einer Untersuchung der Stiftung Warentest[1] beträgt der Zinsaufschlag für ein Forward-Darlehen mit einer zehnjährigen Zinsbindung bei einer Vorlaufzeit von drei Jahren durchschnittlich 0,74 Prozentpunkte (Stand Mitte 2005) gegenüber einem Darlehen mit sofortiger Auszahlung. Die Höhe des jeweiligen Zinsaufschlages ist abhängig von der Dauer der Forward-Periode und der jeweils aktuellen Zinsstruktur.

Man unterscheidet zwischen einem echten und einem unechten Forwarddarlehen. Bei einem echten Forwarddarlehen beginnt die Zinsbindungsfrist erst mit dem Tag der Auszahlung zu laufen, während bei einem unechten Forwarddarlehen die Zinsbindungsfrist sofort zu laufen beginnt. Wählt man bei einem unechten Forwarddarlehen beispielsweise eine fünfjährige Zinsbindung und eine zweijährige Vorlaufzeit, so hat man am Tag der Auszahlung nur noch eine restliche Zinsbindungsdauer von drei Jahren. Bei einem echten Forwarddarlehen ist das nicht so. Hier hat man ab dem Tag der Auszahlung noch eine restliche Zinsbindung von fünf Jahren.

Risiken des Forward-Darlehens

Wenn der aktuelle Leitzins sehr niedrig ist, künftig aber wohl steigen wird, können sich Kreditnehmer vor dem Zinsänderungsrisiko absichern. Die Zinssätze für das Forward-Darlehen berechnen sich aus dem aktuellen Zinssatz, dem Beleihungswertauslauf sowie der Dauer bis zur Auszahlung des Darlehens. Vor allem bei längeren Forward-Zeiten sind mitunter hohe Zinsaufschläge fällig, die je nach Vereinbarung zwischen 0,2 – 0,4 % betragen können. Durch diese Aufschläge werden Forward-Darlehen relativ teuer.

Sollten sich die Leitzinsen nämlich nicht wie zu Beginn der Forward-Zeit erwartet erhöhen, werden auch die Konditionen für Baudarlehen nicht steigen, wodurch eine günstige Prolongation zu aktuellen Marktzinsen möglich gewesen wäre. Da Kreditnehmer aber an das Forward-Darlehen gebunden und zu deren Abnahme verpflichtet sind, fallen die im Forward-Darlehen genannten Zinsen an, die im Vergleich zu den Marktzinsen auch höher sein können. Kreditnehmer bezahlen in diesem Fall mit dem Forward-Darlehen also deutlich höhere Kosten als wenn die Kreditverlängerung zum festen Termin erfolgt wäre. Würde der Kredit nicht abgenommen, wäre eine zum Teil hohe Nichtabnahmeentschädigung fällig.

Da die Zinsentwicklung[3] nie genau vorhergesagt werden kann, sollten Forward-Darlehen zur Verringerung der Risiken nur über relativ kurze Forward-Zeiten von 6 – 12 Monaten abgeschlossen werden. Bei einem Forward-Darlehen über 60 Monate beispielsweise kann dieses Risiko kaum kalkuliert werden.

 


Quelle: » Wikipedia
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